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ADHS bei Erwachsenen

Die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist nicht nur eine Herausforderung im Kindesalter, sondern betrifft - anders als auch heute noch von den meisten vermutet - auch viele Erwachsene. Und das nicht nur in Deutschland: So wurde die schwierige Situation von Erwachsenen mit ADHS beispielsweise kürzlich in einer amerikanischen Publikation in JAMA Psychiatry beleuchtet. Die Autoren stellten auch hier fest, dass ADHS bei Erwachsenen deutlich unterdiagnostiziert und unterbehandelt ist.

Wichtig zu betonen ist, dass es sich bei adulter ADHS nicht um eine "Modediagnose" handelt und Aufklärung und aktualisierte Informationen hierzu dringend erforderlich sind.

Mit folgenden Informationen möchten wir Ihnen ein besseres Verständnis für ADHS im Erwachsenenalter vermitteln:

  1. Fortbestehen der Symptome: Während man in der Vergangenheit davon ausgegangen ist, dass sich die Störung bei Erwachsenen zumeist "verwächst", weiß man inzwischen, dass bei 50 bis 80 % der Erwachsenen, die als Kinder ADHS hatten, etliche Symptome bestehen bleiben. Erwachsene haben in der Regel einfach bessere Strategien gefunden, um mit ADHS umzugehen, was aber nicht bedeutet, dass sie nicht mehr unter ADHS leiden.

  2. Veränderte Symptomatik im Erwachsenenalter: Während die Hyperaktivität oft abnimmt, können innere Unruhe, Konzentrationsprobleme und Impulsivität weiterhin den Alltag beeinflussen und einen zum Teil immensen Leidensdruck mit sich bringen. Das Getriebensein und nicht Nicht-Abschalten-Können etwa ist von außen oft nicht mehr so deutlich bemerkbar, weil die erwachsenen Betroffenen gelernt haben, sich besser zu beherrschen. Es können über den Verlauf der Störung komplexe Krankheitsbilder entstehen, die das gesamte psychiatrische Spektrum umfassen. Unbehandelt birgt ADHS ein erhöhtes Risiko für verschiedenste Erkrankungen wie Sucht, Angst und Depression.
  3. Genetische Faktoren: Studien zeigen, dass ADHS eine starke genetische Komponente aufweist: Bei betroffenen Verwandten ersten Grades ist die Wahrscheinlichkeit für ein Kind, an ADHS zu erkranken deutlich erhöht. In der Fachliteratur finden sich Zahlenangaben von 80% und mehr, was die genetische Komponente betrifft.

  4. Diagnosestellung und Diagnosehäufigkeit: Für eine ADHS-Diagnose im Erwachsenenalter ist es erforderlich, dass Symptome bereits in der Kindheit vorhanden waren. Eine sorgfältige Anamnese sowie Differentialdiagnostik ist unerlässlich. Außerdem kommt neben der fachärztlichen Untersuchung eine standardisierte Psychodiagnostik mittels Fragebögen zur Anwendung. Fremdanamnestische Angaben sind ebenfalls wichtige und wertvolle Bestandteile der Diagnostik. ADHS wird bei Erwachsenen heute leider viel zu selten diagnostiziert, weil es zu selten als ein solches erkannt wird. Stattdessen werden andere Diagnosen wie Depression, Persönlichkeitsstörung, bipolare Störung u.a. gestellt, so dass Betroffene mit Medikamenten und Therapien behandelt werden, die ihre Kernsymptomatik nicht angehen. Viele sind jahrelang in Psychotherapie, profitieren aber nicht nachhaltig davon, weil ihre eigentliche Erkrankung eine andere als die behandelte ist.

  5. Medikamentöse Therapie: ADHS ist nicht immer behandlungsbedürftig, wird es aber, wenn ein entsprechender Leidensdruck vorliegt, bzw. deutliche Beeinträchtigungen in der Lebensgestaltung oder auch Begleiterkrankungen bestehen. Methylphenidat wird nach wie vor in den Behandlungsempfehlungen der S3-Leitlinie als Erstlinien-Therapie (erste Therapiewahl) bei  ADHS im Erwachsenenalter empfohlen.

  6. Nicht-medikamentöse Therapien: Verhaltenstherapeutische Ansätze, Coaching und Achtsamkeitstraining können helfen, den Umgang mit ADHS-Symptomen deutlich zu verbessern.

  7. Ernährung und Nahrungsergänzung: Die zusätzliche Einnahme von Omega-3-Fettsäuren kann einen positiven Effekt auf ADHS-Symptome haben. Auch andere Supplemente wie Magnesium, Zink oder Eisen werden empfohlen, es braucht bzgl. der gesicherten Wirksamkeit jedoch weitere Forschung. Eine Vermeidung bzw. deutliche Reduktion von Zucker ist ebenfalls empfehlenswert.

  8. Alltagsbewältigung: Strukturierte Tagesabläufe, klare Prioritäten und der Einsatz von Erinnerungshilfen und Strategien aus dem Zeitmanagement können den Alltag erleichtern und Stress reduzieren. Hier setzt eine professionelle therapeutische Begleitung an, die sich auf strukturierende und unterstützende Maßnahmen fokussiert.

  9. Professionelle Unterstützung: Bei Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter ist es wichtig, fachärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und individuelle Behandlungsoptionen zu besprechen.

Für individuelle Fragen, eine persönliche Beratung sowie eine fundierte Testung und Befunderhebung stehen wir Ihnen in unserer Praxis gerne zur Verfügung.

Juli 2024: Stress adé!

Die Wochen vor den Sommerferien erleben viele als besonders stressig und vollgepackt, sei es aufgrund von vermehrten schulischen Veranstaltungen zum Schuljahresende, oder weil nun die Urlaubszeit inkl. -planungen ansteht oder im Job dringend Projekte abgeschlossen werden müssen etc.

Doch was hilft nachweislich, um Stress gar nicht erst entstehen zu lassen oder zumindest deutlich besser mit ihm umgehen zu können?

Hier ein paar Empfehlungen von unserer Seite:

  • Regelmäßige Bewegung: Versuchen Sie, täglich mindestens 30 Minuten Bewegung in Ihren Alltag zu bringen, sei es durch Spaziergänge, Fahrradfahren oder Schwimmen. Besuchen Sie regelmäßig ein Fitnessstudio, oder gehen Sie anderswo einer Sportart nach, die Ihnen Freude macht.

  • Gesunde Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und guten Proteinen kann dazu beitragen, Ihr Immunsystem und Ihren Körper zu stärken und Stress abzubauen. Halten Sie Ihren Körper basisch und reduzieren Sie Säurebildner wie Alkohol, Zucker, Koffein, gesättigte Fette und Transfette (wie in Wurst, Gebäck und Fast Food) sowie tierische Eiweiße aus Fleisch und Milchprodukten.
  • Entspannungsverfahren und Meditation: Praktizieren Sie täglich Entspannung in Form von Autogenem Training, Progressiver Muskelentspannung oder Meditation. Schaffen Sie sich Auszeiten!
  • Ausreichend Schlafen: Gehen Sie frühzeitig schlafen und vermeiden Sie an- und aufregende Gespräche, Filme und Aktivitäten direkt vor dem Zubett-Gehen. Idealerweise kommen Sie in der Nacht auf 7 bis 8 Stunden Schlaf.
  • Training von Stressbewältigungstechniken: Versuchen Sie, Situationen und Aktivitäten zu identifizieren, die Stress verursachen und erlernen und trainieren Sie Strategien, um diese zu vermeiden oder zu bewältigen (wie z.B. Techniken aus dem Zeitmanagement, also bspw. gut zu planen und zu priorisieren).
  • Soziales Netzwerk pflegen: Der Austausch mit Freunden, Familie, ggf. auch einem Therapeuten/Coach oder einer Selbsthilfegruppe kann helfen, Druck und Stress loszuwerden und so für die wichtige innere Ordnung zu sorgen.
  • Pflanzliche Unterstützung: Natürliche Mittel wie Rosenwurz, Baldrian oder Passionsblume können beruhigend aufs Nervensystem wirken. Sprechen Sie vor der Einnahme mit uns, wir können Sie individuell beraten.
  • Aromatherapie: Ätherische Öle wie Lavendel, Rose oder Kamille wirken beruhigend und stresslindernd. Verwenden Sie diese (natürlichen und reinen!) Öle in einem Diffuser, in der Badewanne oder als Zusatz in einem Massageöl.
  • Regelmäßige ärztliche Kontrolle: Wenn Stress Ihr Leben beeinträchtigt, suchen Sie sich professionelle Hilfe. Lassen Sie sich dabei helfen, die Ursachen Ihres Stresses zu identifizieren und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu identifizieren.

Juni 2024: Ferienzeit!

Hier haben wir einige medizinische Tipps für Ihren Urlaub zusammengestellt:

  1. Reiseapotheke mitnehmen: Packen Sie eine gut ausgestattete Reiseapotheke ein, die Schmerzmittel, Antihistaminika, Pflaster, Desinfektionsmittel und Ihre regelmäßigen Medikamente enthält. Vergessen Sie auch nicht Mittel gegen Durchfall und Verstopfung sowie ein Fieberthermometer.

  2. Sonnenschutz nicht vergessen: Tragen Sie stets eine Sonnencreme mit hohem Lichtschutzfaktor auf, insbesondere in den ersten Tagen der Sonnenexposition. Wiederholen Sie das Auftragen regelmäßig, vor allem nach dem Schwimmen oder Schwitzen. Ein Sonnenhut und schützende Kleidung sind ebenfalls empfehlenswert.

  3. Genügend trinken: Achten Sie darauf, ausreichend Wasser zu trinken, um Dehydrierung vorzubeugen, insbesondere in heißen Klimazonen. Vermeiden Sie übermäßigen Konsum von Alkohol und koffeinhaltigen Getränken, da diese dehydrierend wirken können.

  4. Sich vor Insekten schützen: Nutzen Sie Insektenschutzmittel, tragen Sie lange Kleidung und schlafen Sie, wenn nötig, unter einem Moskitonetz. Dies hilft, Stiche und die Übertragung von Krankheiten zu vermeiden.

  5. Lebensmittel- und Wasserhygiene: Um Magen-Darm-Infektionen zu vermeiden, sollten Sie nur abgefülltes oder abgekochtes Wasser trinken und auf Eiswürfel verzichten. Essen Sie keine rohen oder unzureichend gekochten Speisen und bevorzugen Sie gut durchgekochte und frisch zubereitete Gerichte.

  6. Bewegung während langer Reisen: Bei langen Flügen oder Busfahrten sollten Sie regelmäßig aufstehen und sich bewegen, um das Risiko einer Thrombose zu minimieren. Tragen Sie bei Bedarf Kompressionsstrümpfe und trinken Sie ausreichend Wasser.

  7. Erste Hilfe bei kleineren Verletzungen: Kleinere Wunden und Verletzungen sollten sofort gereinigt und desinfiziert werden, um Infektionen zu vermeiden. Verwenden Sie Pflaster oder sterile Verbände, um die Wunde abzudecken.

  8. Naturmedizinische Unterstützung: Nehmen Sie naturmedizinische Präparate wie Ingwer gegen Reisekrankheit oder Melatonin zur Unterstützung des Schlaf-Wach-Rhythmus mit. Probiotika können helfen, die Darmflora zu stabilisieren und Magen-Darm-Beschwerden vorzubeugen.

Mit diesen Tipps sind Sie bestens vorbereitet und können Ihre Urlaubszeit sicher und unbeschwert genießen.

Gute Reise!


Sauna, Sport, Entspannung - 3 ganzheitliche Tips bei Heuschnupfen

Juckende Augen, kratzender Hals, laufende Nase - Heuschnupfen kann sehr unangenehm und belastend sein. Hier haben wir 3 einfach umzusetzende, ganzheitliche Empfehlungen für Sie aufgelistet:
  1. Bei Heuschnupfen führt die Ausschüttung von Histamin zu erweiterten Gefäßen. Ein Training des Gefäßsystems, z.B. durch regelmäßige Sauna-besuche, hält die Gefäße elastisch und verbessert die Abwehr des Organismus.
  2. Regelmäßiger Sport und ausreichende Bewegung im Alltag sorgen ebenfalls dafür, dass die Gefäße sowie die Durchblutung der Schleimhäute profitieren. Das macht unsere Schleimhäute resistenter gegenüber Fremdkörpern.
  3. Allergische Reaktionen können durch psychische Belastung und Stress deutlich verstärkt auftreten. Regelmäßig angewandte Entspannungstechniken wie Autogenes Training oder Meditation helfen effektiv dabei, Stress abzubauen. Bauen Sie feste Auszeiten in Ihren Alltag ein und sorgen Sie für ausreichend Schlaf.

Wege aus der Angst:

Wie Biofeedback effizient die Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung verbessern kann

"Angst essen Seele auf"

Dieser Filmtitel ist inzwischen zum geflügelten Wort geworden, beschreibt er doch so treffend, was die Angst mit uns machen kann.

Frei von Angst ist niemand von uns, denn das wäre evolutionär nicht sinnvoll:

Es ist überlebensnotwendig, Angst als Signal für potenzielle Bedrohungen wahrzunehmen und somit beispielsweise bei Blitz und Unwetter nicht aus dem Haus zu gehen, sich im Auto anzuschnallen etc.

Aber Angst ist nicht gleich Angst. Es gibt diverse Abstufungen, die von noch tolerierbarer und handelbarer Überbesorgtheit bis hin zu einer massiven Angststörung reichen können, die das Leben dann massiv einschränken kann. Übersteigerte Ängste, die uns seelisch stark belasten und blockieren, sind nicht nur in Zeiten von Corona ein häufiges Phänomen der menschlichen Psyche:

Jeder Vierte erhält im Laufe seines Lebens die Diagnose einer behandlungsbedürftigen Angsterkrankung. Eine massive Angstproblematik sollte immer behandelt werden, denn unbehandelte Angststörungen neigen dazu, sich immer mehr zu verselbständigen und das Leben der Betroffenen in Beschlag zu nehmen.

Dieser Beitrag beschreibt, wie sich Angst äußern kann und wie wir unsere Selbstwahrnehmung und Selbststeuerung verbessern können, damit wir der Angst nicht hilflos ausgeliefert sind.

Wie sich Ängste zeigen

Angststörungen haben Auswirkungen auf körperlicher, emotionaler und mentaler Ebene. Besonders die körperlichen Phänomene können dabei deutlich und sehr unangenehm wahrgenommen werden, etwa als Herzrasen, starkes Schwitzen, das Gefühl, gleich in Ohnmacht zu fallen u.v.m.

Typisch für die sogenannten neurotischen Ängste sind ihr plötzliches Auftreten und eine übersteigerte körperliche und emotionale Reaktion ohne echte äußere Gefahrenlage. Dabei sind die Symptome relativ stark ausgeprägt und intensiv spürbar, und die Angst besteht über einen längeren Zeitraum hinweg. Den Betroffenen fehlt dabei der Abstand zu dem, was in ihnen geschieht, und damit auch Strategien, um aus Angstspiralen von alleine wieder herauszukommen.

Wie kann sich dies konkret äußern?

Nehmen wir als Beispiel die Hypochondrie, also die Angst, schwer körperlich zu erkranken: Sie geht einher mit der überwertigen ängstlichen Beobachtung körperlicher Signale und Erscheinungen. Die betroffene Person befürchtet, dass sich hinter eigentlich harmlosen Symptomen eine bedrohliche Erkrankung verstecken könnte. Sie kann normale Signale des Körpers, beispielsweise von Erregung und körperlicher Anspannung, nicht mehr als solche wahrnehmen.

Stattdessen schrillen bei eigentlich harmlosen Phänomenen die Alarmglocken:

"Ich könnte ernsthaft krank sein!

Mein Körper könnte großen Schaden nehmen!

Ich könnte sterben!"

So kreist das Denken des Hypochonders unablässig und übersteigert um seine körperliche Existenz, um Gesundheit und insbesondere um befürchtete Krankheiten, was nicht selten zu Erschöpfungszuständen und Depressionen führt. Die permanente Beschäftigung mit den eigenen Ängsten verursacht Stress, und Stress und Angst hängen eng miteinander zusammen:

Somit werden diese Stressphänomene dann ihrerseits zum Auslöser weiterer hypochondrischer Ängste - der Teufelskreis der Angst bleibt aufrechterhalten und verstärkt sich weiter. Es kommen immer mehr körperliche Symptome hinzu, wie ein schneller Puls, Schwitzen, Enge in der Brust oder auch eine verflachte Atmung. Das beunruhigt die Betroffenen natürlich noch mehr, und sie sind noch stärker davon überzeugt, tatsächlich schwer körperlich erkrankt zu sein. Die Wahrnehmung der eigenen Körpersignale wird also mehr und mehr fehlgedeutet, was die Erkrankung noch weiter verschlimmert.

Am Beispiel der Hypochondrie lässt sich gut erkennen, wie wichtig es bei Angsterkrankungen ist, die Selbstwahrnehmung der Betroffenen zu korrigieren und zu verbessern und ihnen dabei zu helfen, Strategien zu entwickeln, um aus ihrer gefühlten Passivität und Hilflosigkeit herauszutreten und zu lernen, sich selbst zu beruhigen und zu entspannen.

Ein in der Verhaltensmedizin und Psychotherapie bewährtes Verfahren, das bei Angsterkrankungen nachweislich sehr gut hilft, ist Biofeedback, das in Kombination mit Entspannungs- und meditativen Verfahren eingesetzt wird.

Was Biofeedback ist und was es leisten kann
Biofeedback ist eine effiziente, wissenschaftlich belegte Methode, die unter anderem bei Angsterkrankungen erfolgreich angewendet wird. Ziel der Therapie ist es, sowohl körperliche als auch psychische Funktionen wahrzunehmen und diese aktiv, zur Verbesserung des eigenen Wohlbefindens und der Gesundheit zu beeinflussen. Über Sensoren werden dabei Körpersignale, die wir normalerweise nicht bewusst wahrnehmen können, registriert. Dazu zählen beispielsweise Muskelspannung, Atmung, Pulsfrequenz und Hautleitwert. Über die Messung dieser Funktionen erfolgt eine optische bzw. akustische Rückmeldung (= Feedback), die der Patient hören und/oder am Bildschirm sehen kann.

Wie eine solche Sitzung abläuft soll im folgenden genauer beschrieben werden:

Die behandelte Person sitzt in entspannter Atmosphäre vor einem Bildschirm. Sensoren, die am Körper angebracht werden, geben dabei Feedback über eigentlich unbewusst ablaufende Prozesse. So können die Anspannung des Nervensystems (gemessen über den Hautleitwert) sowie des Herz-Kreislauf-Systems (gemessen über den Puls) über eine kleine Elektrode am Finger rückgemeldet werden. Auch die Atemfrequenz gibt Auskunft darüber, wie es uns geht. Sie wird über einen kontaktlosen Infrarot-Sensor erfasst, der über dem Bauch angebracht ist. Zudem können weitere Körpersignale wie z.B. Muskelanspannungen erfasst werden.

 Zusammenhänge zwischen stressauslösenden Faktoren und Körperreaktionen werden damit direkt am Bildschirm sichtbar:

Die betreffende Person kann beispielsweise sehen, wie sich bestimmte Angstgedanken auf körperliche Phänomene auswirken können und wie gezielte Entspannung dem entgegenwirkt.

Das Zauberwort heißt „Selbstkontrolle“

Wenn wir uns bewusst machen können, wie sich das, was wir denken und tun auf unser Nervensystem und unser Befinden auswirkt, können wir lernen, unsere körperlichen Funktionen zu beeinflussen. Auf diese Weise kann die Selbstwirksamkeit gestärkt werden. Wir können Anspannung und Stress in unserem Körper beobachtend und neutral wahrnehmen und positiven Einfluss auf körperliche und psychische Funktionen nehmen. Wir erleben, dass wir aktiv etwas gegen Stress, Anspannung, Angst und Schmerzen tun können und fühlen uns unseren Symptomen und Beschwerden nicht mehr hilflos ausgeliefert. Dies erhöht die Lebensqualität, denn dadurch erhalten wir wieder Kontrolle über uns selbst und unseren Alltag zurück.

Das Biofeedbackgerät funktioniert also wie ein Spiegel, der Informationen über das Körperinnere liefert. Es zeigt unmittelbar, wie sich Faktoren wie z.B. negatives Denken, verflachtes Atmen und verspannte Muskulatur auf die Körperprozesse auswirken, die den Beschwerden zugrunde liegen. Dieser Spiegel ist ab dann nicht mehr notwendig, wenn eine effiziente Selbstregulation einmal erlernt wurde. Das dauert oft nur wenige Sitzungen, muss aber daheim noch regelmässig geübt und angewandt werden, bis das andere Denken und Verhalten zu einer automatisierten Gewohnheit geworden ist. Im Falle von Angsterkrankungen wie der hypochondrischen Störung lässt sich so der Teufelskreislauf aus negativen Gedanken und den darauf folgenden körperlichen Kettenreaktionen und immer neuen und vermehrten Ängsten durchbrechen:

Durch die sofortige Rückmeldung wird sichtbar, welche Ansätze und Strategien hilfreich sind, um aus Angst und Anspannung herauszutreten.

Wie bereits beschrieben:

Übung macht dabei den Meister. Je öfter wir dies trainieren, umso schneller und sicherer wird uns dies im Alltag gelingen.

Biofeedback kann sehr gut ergänzt werden durch weitere Methoden, die ein großartiges Werkzeug für unsere Selbststeuerung sein können, nämlich Meditations- und Entspannungsübungen. Über das gezielte Erlernen von meditativen (Atem-)Techniken und Entspannung können wir z.B. trainieren, Puls und Atemfrequenz zu senken, effizient Spannung aus dem vegetativen Nervensystem zu nehmen und unsere Muskelaktivität herunterzufahren. Wir lernen, Distanz zu auftauchenden automatisierten Bewertungen und Tendenzen herzustellen und werden somit wieder fokussiert und handlungsfähig.

Alle Techniken der Selbstbeobachtung und –kontrolle, besonders die Meditation, brauchen regelmäßiges Training. Feste Entspannungsauszeiten im Alltag helfen, die gewünschten Veränderungen in uns zu bewirken und zu verankern. So bauen wir Stressbewältigungs- und Selbststeuerungskompetenzen auf, die uns für unser gesamtes Leben zur Verfügung stehen.

Biofeedback kommt nicht nur bei Ängsten und chronischen Stress- und Schmerzzuständen, insbesondere bei der Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerz, zur Anwendung. Es wird bei sämtlichen psychosomatischen Störungsbildern wie z.B. dem Reizdarmsyndrom, Rückenschmerzen und Schlafstörungen eingesetzt.

Psychotherapeutisch bietet diese Methode einen sehr guten Zugang zu den tieferen Schichten hinter dem (Angst-)Geschehen, da für die Symptomatik relevante Gedanken, Emotionen, Erinnerungen, Prägungen und Glaubenssätze identifiziert und im therapeutischen Geschehen weiter bearbeitet werden können.

Biofeedback ist für fast jeden geeignet.

Kontraindiziert ist es jedoch bei schwer Traumatisierten sowie bei psychotischen Patienten und bei Personen mit Epilepsie.

Wie bereits erwähnt genügen in der Regel wenige Sitzungen, um die Selbstwahrnehmung deutlich zu verbessern und Angst- und Anspannungs-phänomene wirksam an ihrer Basis anzugehen.

 Achtsamkeit

In der modernen wissenschaftlichen Psychologie stellt der Achtsamkeitsansatz einen entscheidenden Heilungsfaktor in der Psychotherapie dar.

Die Kultivierung von Achtsamkeit, und somit auch von Akzeptanz, Mitgefühl, Anteilnahme und Freude, braucht eine bestimmte innere Haltung des Innehaltens, Nichts-Bewertens und der Präsenz, die in Achtsamkeitsübungen und Meditation entwickelt wird.

Auch in unserer psychotherapeutischen Arbeit spielt dieser Ansatz eine zentrale Rolle.

Zudem bieten wir die Möglichkeit, bei uns auch außerhalb von Psychotherapie und Coaching Achtsamkeits- und Meditationstechniken zu erlernen.

Für weitere Informationen zu diesem Thema empfehlen wir:

- Jon Kabat-Zinn:

  "Gesund durch Meditation", Mens Sana, 2011;

- Jon Kabat-Zinn:

  "Im Alltag Ruhe finden", Herder Verlag, 1998;

- Ulrich Ott:

  "Meditation für Skeptiker: Ein Neurowissenschaftler erklärt 

   den Weg zum Selbst", O.W. Barth, 2010.